Geschichte

Aus der Jubiläumsschrift
"100 Jahre Schützenbund Witterswil 1898 - 1998"

 

Schützenvereine im solothurnischen Leimental

Während im Bezirk Dorneck bereits in den Jahren 1825 (Seewen) und 1832 (Dornach) die ersten Schiessvereine entstanden, wurden im solothurnischen Leimental die ersten Vereine Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet. Im Jahre 1862 wurde die Feldschützen-Gesellschaft Hofstetten und im Jahre 1865 die Schützengesellschaft Witterswil aus der Taufe gehoben. Diese beiden Gesellschaften waren auch die zwei einzigen Gesellschaften aus dem Leimental, welche als Gründungsmitglieder des Bezirksschützenverbandes Dorneck (1891 in Seewen) aufgeführt sind.

Die Initiative zur Gründung eines Schiessvereins ging meistens von Armeeangehörigen aus. Vor 1870 wurden mehrheitlich mit Vorderladergewehren geschossen. Ab dem Jahre 1870 kamen dann die Hinterladergewehre auf.

Am 19. April 1874 hatte das Schweizervolk die revidierte Bundesverfassung angenommen. Die daraus resultierte neue Militärorganisation verpflichtete gewehrtragende Soldaten und Offiziere in denjenigen Jahren, in welchen sie keinen Dienst leisteten, an freiwilligen Schiessübungen teilzunehmen. Mit einer Verordnung von 1883 musste ausserdem jeder Schütze Mitglied eines Schiessvereins sein, was damals zum Boom im Gründen von Schiessvereinen führte. So liess im Jahre 1900 der damalige Präsident des Bezirksverbandes Dorneck, Otto von Arx, verlauten: "Es wird darauf hingewiesen, dass kleinere Ortschaften nicht mehrere Schiessgesellschaften gründen sollten". Die Ursache lag meistens an unterschiedlichen politischen Auffassungen, oder wie in Witterswil, an den unterschiedlichen Qualitäten der Schützen.
So wollten die guten und aktiven Schützen in regionalen Schiessanlässen, wie dem Bezirkswettschiessen, bessere Rangierungen herausschiessen. Die weniger aktiven und deshalb unsicheren Schützen waren durch ihre schlechteren Resultate dabei hinderlich.

Gründung und Geschichte des Schützenbund Witterswil

Die besseren Schützen der Schützengesellschaft Witterswil taten sich bereits im Jahre 1891 zusammen und nahmen auch separat von der Schützengesellschaft am 12. Juli 1891 unter dem Namen "Schützenbund Witterswyl" (damalige Schreibweise vom heutigen Witterswil) am 1. Bezirkswettschiessen teil. Bis in den November 1898 hörte man allerdings den Namen Schützenbund Witterswil nicht mehr. Eine offizielle Vereinsgründung fand vor diesem Datum nicht statt.

Als Gründungsmitglieder sind 8 Personen aufgeführt. Unter ihnen:

  • Arnold Leu (1. Präsident)
  • Paul Leu
  • Karl Leu
  • Johann Paptist Gschwind
  • Johann Erzer
  • Felix Matter (1. Kassier)
  • Jos. Thomann

Jedes Gründungsmitglied leistete eine Einlage von Fr. 2.- so­ wie am Anfang einen Monatsbeitrag von 30 Rappen.

1900

In diesem Jahre schoss der Verein das erste Mal über die Strangenmatte. Der Verein zählte 16 Mitglieder. Er beantragte die Aufnahme in den Schützenverband Dorneck und wurde im gleichen Jahr aufgenommen. Das Vermögen Ende Dezember betrug Fr. 111.76.

1901

Der Verein nahm zum ersten Mal am Bezirkswettschiessen in Seewen teil. Das damalige Programm sah wie folgt aus:

  • Scheibe B: 5 Schüsse in Serie kniend
  • 5 Schüsse in Serie stehend
  • 10 Schüsse in 30 Sekunden liegend

1904

Der Schützenbund belegte am Bezirkswettschiessen den 4. Rang. Arnold Leu, Präsident, wurde Schützenkönig des Bezirks.

1905

Der Verein nahm am solothurnischen Kantonalen in Olten teil und belegte den ausgezeichneten 7. Sektionsrang.

1907

Das Bezirkswettschiessen wurde zum ersten Mal durch den Schützenbund Witterswil in Witterswil organisiert. Der Schützenkönig hiess Wyss Arthur aus Seewen. Dieser wurde auf seinem Heimweg von einem Fahrer mit neumodischen Velo so unglücklich gerammt, dass er lange Zeit bettlägerig war.

1910

Gemäss Beschluss der Delegiertenversammlung des Bezirks Dorneck wurden innerhalb des BSV Dorneck 2 Abteilungen gebildet:

  • Gruppe I Domeckberg
  • Gruppe II Leimental

Die Schiessanlässe wurden, wie bisher, getrennt durchgeführt. Die Witterswiler Schützen waren bis anhin dem Dorneckberg angeschlossen, machten neu jedoch nun mit den Leimentalern mit.

1911

Das Bezirkswettschiessen wurde nochmals durch den Schützenbund Witterswil auf der Strangenmatte durchgeführt. Es sollte bis heute das letzte Mal sein, dass in unserem Dorfe ein Bezirkswettschiessen stattfand. Jacob Baschong, Witterswil hiess der Schützenkönig.

1912

Arnold Leu, Präsident des Schützenbund Witterswil, wurde am Feldsektionswettschiessen Schützenkönig im Leimental.

1913

Johann Baptist Gschwind, Schützenbund Witterswil, wurde Schützenkönig am Feldsektionswettschiessen.

1914

Emil Erzer, Schützenbund Witterswil, wurde Schützenkönig am Feldsektionswettschiessen.

1919

Das Feldschiessen der Abteilung Leimental fand zum ersten Mal in Witterswil statt. Es nahmen 259 Schützen daran teil.

1921

Der Bezirksschützenverband feierte sein 30-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsschiessen. Der Schützenbund Witterswil rangierte im 4. Rang und gewann einen Becher.

1923

An der Generalversammlung wurde beschlossen, die Strangenmatte zu kaufen und ein neues Schützenhaus zu bauen. Emil Erzer (geb. 1896) wurde neuer Präsident.

Der wenig aktiven und verschuldeten Schützengesellschaft Witterswil gehörte zu diesem Zeitpunkt einen Anteil am alten Häuschen, Scheibenstand und Material (beide Gesellschaften schossen gleichberechtigt auf dem Stand Strangenmatte). Der Schützenbund übernahm am 20. Dezember 1923 den Überschuss an Passiven in der Höhe von Fr. 146.45. Das gesamte Inventar der Schützengesellschaft ging gemäss Verhandlungsbeschlüssen hiermit in den alleinigen Besitz des Schützenbundes über. Der Schützengesellschaft wurde erlaubt, während 5 Tagen pro Jahr ihre obligatorischen und freiwilligen Übungen abzuhalten.

1924

Die Strangenmatte wurde zu einem Betrag von Fr. 1'200.- von Eduard Leu gekauft. In Fronarbeit wurde das heutige Schützenhaus gebaut. Dabei wurden wichtige Arbeiten von Handwerkern des Vereins ausgeführt und auch bezahlt. So z.B.:

  • Julius Erzer für 100 Std. Arbeit mit Fr. 40.-
  • Hugo Erzer für 150 Std. Arbeit mit Fr. 60.-
  • E. Erzer sen. für 120 Std. Arbeit mit Fr. 20.-

Die Gesamtkosten für den Neubau und den Kauf des Landes betrug Fr. 3'715.95. Davon mussten Fr. 3'500.- als Darlehen bei der Solothurnischen Kantonalbank aufgenommen werden.

Der Verein nahm trotz des Schützenhaus-Neubaus am Eidgenössischen Schützenfest in Aarau teil und zahlte erstmals die Schiessbüchlein mit Fr. 136.- aus der Vereinskasse.

1925

Für die Strangenmatte wurde erstmals ein Zins von Fr. 70.- pro Jahr vom Pächter Eduard Leu erhoben.

1932

Der Schützenbund Witterswil führte zum ersten Mal ein Ehr- und Freischiessen durch. Als besondere Attraktion wurde eine Kegelbahn aufgestellt, wo sich die Schützen verweilen und ablenken konnten. Die Kegelbahn erwirtschaftete einen stolzen Reingewinn von Fr. 414.25. Aus dem Schiessbetrieb konnten der Kasse ca. Fr. 1'000.- (Anzahl Schützen leider nicht bekannt) gutgeschrieben werden.

1933-1935

Der Schützenbund Witterswil siegte 3 Jahre hintereinander am Leimentaler Becherwettschiessen und gewann damit den Wanderpreis. Karl Thomann, Schützenbund Witterswil, wurde Schützenkönig am Feldsektionswettschiessen.

1939

Der Schützenbund Witterswil führte ein Jubiläumsschiessen "40 Jahre Schützenbund Witterswil" durch. Der Reingewinn dieses Anlasses belief sich auf Fr 1'859.-. Da der Schützenbund 1899 das erste Mal als Verein auftrat und eigene Übungen durchführte, wurde damals dieses Jahr als 1. Vereinsjahr angesehen. Die Gründung erfolgte allerdings durch Arnold Leu (1. Präsident) im Monat November 1898.

1949

Da zwischen dem Schützenbund Witterswil und der Schützengesellschaft öfters Streit über die Benützung der Anlage, Miete und Sauberkeit bestand, wurde im Jahre 1949 ein schriftlicher Vertrag über die Benützung, die Rechte und Pflichten erstellt. Drei Jahre später löste sich die Schützengesellschaft auf.

Zum ersten Mal wurde im Jahre 1949 eine Vereinsmeisterschaft ins Leben gerufen, welche aus den Resultaten des Obligatorischen, der Verbandsmeisterschaft, des Feldschiessens und des Endschiessens ermittelt wurde. Der Wanderpreis, ein versilberter Becher, ging nach 5 Jahren an Edi Bruni über, der in diesen 5 Jahren zusammen die höchste Punktzahl notierte. Er wurde allerdings in keinem Jahr Vereinsmeister. Vereinsmeister wurden: 2x Riss Rudolf, 2x Erzer Emil Jun., 1x Schmidli Karl

1952

Zum ersten Mal wurde ein internes Klausenschiessen organisiert. Da der Anlass allerdings von einer "Privatgruppe" organisiert wurde – ohne jedoch den Vorstand vorher zu informieren – ging es deswegen an der darauffolgenden Generalversammlung sehr hitzig zu. Bis zur Einführung des internen Bänzenschiessens im Jahre 1978 durch Toni Wyss, hatte sich der Streit aber wieder gelegt.

1953

Der Scheibenstand wurde auf Veranlassung des Schiessoffiziers durch die Mitglieder des Vereins renoviert. Im gleichen Jahr wurde ein Ehr- und Freischiessen mit 6 Stichen sowie einer Plansumme von Fr. 26'000.- durchgeführt. Der Erfolg fiel allerdings mit einem Reingewinn von Fr. 150.- bescheiden aus. Ein Defizit konnte nur dadurch vermieden werden, weil der Vorstand alle Spesen selber übernahm.

Das Felsplattenschiessen, welches bis heute von den Leimentaler Schützenvereinen durchgeführt wird, wurde gegründet. Der Schützenbund Witterswil war von Beginn daran beteiligt.

1954

Der Verein nahm am Eidgenössischen Schützenfest in Lausanne teil. Er gewann den Silberlorbeerkranz. Im Vorfeld wurde ein spezielles Übungsprogramm erstellt. Nur Schützen die total 600 Punkte an den Übungen schossen, wurden an das Eidgenössische mitgenommen.

1957

Der Jungschützenkurs, geleitet von E. Erzer (geb. 1926), wurde als bester Kurs im Verband ausgezeichnet.

1958

Der Verein nahm am Eidgenössischen Schützenfest in Biel teil. Im gleichen Jahr schaffte dieser in der Gruppenmeisterschaft Zum erste Mal den Sprung in die Kantonalrunde nach Zuchwil.

1961

Der Scheibenstand wurde vom Schiessoffizier abgesprochen. Der Schützenbund bat zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die Gemeinde Witterswil um finanzielle Unterstützung, die in Form eines zinslosen Darlehens dann auch gewährt wurde.

Die Installation einer Signalanlage wurde an der Generalversammlung verworfen, "da das Signalhorn den Anforderungen noch lange genüge", hiess es.

1964

Ehrenpräsident Erzer Emil (geb. 1896) wurde für seine 50-jährige Mitgliedschaft im Verein geehrt. Er war während 25 Jahren Präsident des Schützenbundes und hat den Verein wesentlich geprägt. 1964 hatte er, als Novum, das Ostereierschiessen am Ostersamstag eingeführt, das bis zum heutigen Tag die Vereinssaison eröffnet.

1969

Eine Signalanlage wurde von Daniel Matter installiert. Auf einen Elektroanschluss wurde aus Kostengründen verzichtet. Es wurde aber ein Stromaggregat für Fr. 1'000.- angeschafft.

Im selben Jahr nahm der Verein am Eidgenössischen in Thun teil. Das schlechte Abschneiden (Lorbeerkranz) wurde einer ungenügenden Rangeurzuteilung angelastet.

1970

Der Verein unterstützte den Vorschlag einer Regionalschiessanlage unterhalb der Ruine Sternenberg in Hofstetten. Das Projekt, wie auch alle nachfolgenden Projekte, konnten allerdings nicht realisiert werden. Emil Erzer jun. richtete auf eigene Kosten ein Schützenstübli ein, welches die Vereinsgeselligkeit wesentlich belebte.

1972

Der Ehrenpräsidenten Emil Erzer sen. starb im Alter von 76 Jahren.

1973

Die Aussage des Ammann von Witterswil anlässlich der Delegiertenversammlung des Schützenverband Leimental, "das Schützenhaus Witterswil steht höchstens noch für 6 Jahre zur Verfügung", führte zu Verwirrung in Schützenkreisen. Wie die Geschichte belegt, war die Aussage voreilig.

1974

Mario Miktus verfasste als neuer Aktuar zum ersten Mal Halbjahresberichte, Vereinsnachrichten, die jedem Mitglied zugesandt wurden.

1976

In der Gruppenmeisterschaft schaffte der Schützenbund Witterswil zum erste Mal in seiner Vereinsgeschichte den Vorstoß in die 2. Finalrunde.

1977

Das Feldschiessen wurde durch den Schützenbund in Witterswil organisiert. Mit einer grossen Beteiligung von über 300 Schützen und einem unerwarteten Reingewinn von Fr. 4'200.- wurden die Erwartungen übertroffen.

Im selben Jahre wurde der Scheibenstand und Kugelfang im Winter für Fr. 40'000.- saniert. Das erste Mal wurde die Gemeinde in ihre Verantwortung mit einbezogen. Als Gegenleistung musste der Verein Schiesszeitbegrenzungen von max. 4 Sonntagen pro Jahr und Veröffentlichung aller Schiesszeiten akzeptieren.

1978

An einer ausserordentlichen Generalversammlung wurden die Vereinsstatuten genehmigt, vermutlich die ersten seit Bestehen des Vereins. Laut den Statuten ist der Verein in A (Aktiv-) und B (Obligatorisch-) Mitglieder unterteilt.

1979

Es wurde an der Generalversammlung beschlossen, ein offizielles Vereinsorgan, genannt INFO, ins Leben zu rufen. Mit dem INFO wurden die Aktivitäten des Vereins festgehalten, sowie Informationen an die Aktivmitglieder weitergegeben. Dieses "professionelle" INFO des Redaktors und Ehrenmitglieds Georges Erzer, löste das vom Präsidenten Toni Wyss 1977 eingeführte Schützen-lNFO ab.

Am eidgenössischen Schützenfest in Luzern im selben Jahr nahmen 21 Schützen teil. Mit einem Durchschnitt von 37.05 Punkten im Sektionsstich erzielte der Verein das bis dahin höchste Resultat der Vereinsgeschichte und seit mehr als 50 Jahren wieder einmal einen Goldlobeerkranz. Der Besuch des Eidgenössischen ging auch dank seiner guten und originellen Organisation durch Jacqueline Wyss in die Vereinsgeschichte ein.

1980

Emil Erzer (geb. 1926) wurde an der Generalversammlung mit Applaus zum Ehrenpräsidenten des Schützenbund Witterswil ernannt. Er lebte, wie sein Vater gleichen Namens, für den Schützenbund. Während über 30 Jahren war er in wichtigen Chargen des Vereins (Jungschützenleiter bis Präsident) aktiv.

Im selben Jahr wurde eine neue Fahne und eine neue Standarte, gestiftete vom Fahnengötti Robert Schmidli (Altammann) und der Fahnengotte Marlies Huber, mit einem Fahnenweihschiessen eingeweiht. Das Fahnenweihfest, unter der Leitung des OK-Präsidenten Mario Miktus, ging als einer der grossartigen und erfolgreichen Anlässe in die Vereinsgeschichte ein.

1981

Zum ersten Mal wurde ein Schiesskurs für Erwachsene mit Erfolg durchgeführt. Das traditionelle Absenden des Endschiessens, organisiert von Lady Jacqueline II (Jacqueline Wyss) ging als gelungener, in seiner Art einmaliger Anlass über die Bühne.

1982

Die neu gegründete Matchgruppe des Schützenverband Leimental, angeführt von Peter Erzer, führte ihr erstes Training in Witterswil durch. Logisch, denn 2/3 der Mitglieder bestanden aus Witterswiler Schützen.

1983

Mit 16 Jungschützen wurde der bestbesuchte Kurs der Vereinsgeschichte von Emil Erzer durchgeführt. Im Januar fand der 1. Ehrenmitgliederausflug des Vereins, organisiert durch den Präsidenten Toni Wyss, statt. Toni Wyss wurde Schützenkönig im Leimental am Feldschiessen.

1984

Das erste Mal in der Vereinsgeschichte gelang es einem Schützenbündler ein Kantonales zu gewinnen. Raymond Thüring wurde am Waadtländer Kantonalen zum Schützenkönig ausgerufen.

1985

Alois Wyss wurde für 50 Jahre A-Mitgliedschaft im Schützenbund ausgezeichnet.

1986

Guido Dreier wird im Leimental Schützenkönig am Feldschiessen. Oser Robert installierte als neuer Präsident Strom und Wasser, sowie eine Toilettenanlage im Schützenhaus. Jacqueline Wyss gewinnt als erste Frau die Vereinsmeisterschaft.

1987

Eine Petition gegen den Schiesslärm wurde beim Gemeinderat eingereicht. Der Schützenbund stand unter Zugzwang und installierte u.a. eine Erd-Lärmschutzwand. Die Bepflanzung der Wand wurde in der Baugenehmigung vorgeschrieben.

1991

Der Schützenbund installierte die ersten zwei von bisher vier elektronischen Scheiben. Die Installation sowie Finanzierung von Fr. 55'000.- erfolgte durch den Verein ohne Unterstützung der Gemeinde. Dem Präsidenten Mario Schmidli, einem Bankfachmann, gelang die Finanzierung durch Aufnahme der Mittel bei den Vereinsmitgliedern.

In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal in der Geschichte des Schützenverbandes Leimental eine Frau Schützenkönigin am Feldschiessen 300m: Heeb Ruth, Schützenbund Witterswil

1995

Der amtierende Präsident Mario Schmidli verstarb unerwartet im Alter von 36 Jahren an einem Krebsleiden.

1996

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde eine Frau an die Spitze des Vereins gewählt. Als Nachfolge von Mario Schmidli wurde Dorli Krayer zur neuen Präsidentin gewählt.

1998

Die Raumplanungsbehörde des Kt. Solothurn drängte auf einen Anschluss an die Gemeinschaftsschiessanlage Schürfeld in Aesch. Die Generalversammlung 1998 lehnte einen Standortwechsel jedoch vehement ab.

Um der Lärmschutzverordnung, die im Jahre 2002 in Kraft tritt, zu genügen, wurden die Lärmschutzwand verlängert und das Schützenhaus innen mit Eierschachteln und Teppichen isoliert. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens wurde das Schützenhaus aussen neu gestrichen, sowie ein Jubiläumsschiessen organisiert.

Jahresprogramme und Vereinsmeisterschaft des Schützenbund Witterswil

Laut Vereinsbeschluss wurde anno 1949 die Vereinsmeisterschaft, zur Belebung des internen Wettkampfes, eingeführt. Sie setzte sich aus den Resultaten des Obligatorischen Programms, der Verbandsmeisterschaft, des Feldschiessens und des Endschiessens zusammen. Vom Verein wurde ein versilberter Becher als Wanderpreis für 5 Jahre ausgesetzt. Definitiver Gewinner des ersten Wanderpreises wäre der Schütze gewesen, der innerhalb dieser 5 Jahre 3 x Vereinsmeister geworden wäre. Dies schaffte jedoch keiner, weshalb Bruni Edi den Wanderpreis gewann, der innerhalb der 5 Jahre zusammen die höchste Punktzahl notierte. Kurioserweise war er jedoch in keinem Jahr Vereinsmeister.

Bis 1966 zählten für die Vereinsmeisterschaft die oben aufgeführten 4 Schiessanlässe. Als 1966 allerdings die Verbandsmeisterschaft des Schützenverbandes Leimental aufgegeben wurde, hatte dies auch eine Änderung der Vereinsmeisterschaft zur Folge. Es wurden mehrere Varianten ausprobiert, bis 1972 das heute noch übliche Modell, wonach von 8 Schiessanlässen die 5 höchsten (in %Punkten vom Maximum) ausgewertet werden. So zählen heute zur Vereinsmeisterschaft insbesondere auch das Felsplattenschiessen, die Gruppenmeisterschaft, sowie Kantonale und Eidgenössische Schützenfeste. Von 1949 bis 1973 wurden 5 Wanderpreise abgegeben. Definitive Gewinner waren:

  • 1953 Edi Bruni
  • 1958 Fritz Bähler
  • 1963 Paul Jeger
  • 1969 Hanspeter Schmidli
  • 1972 Hanspeter Schmidli

Bis 1980 wurden 8 Jahre kein Wanderpreis abgegeben. Anstelle konnte man jedes Jahr ein Teil eines Baslerservice gewinnen. Wobei Kanne und Plateau jeweils nur einmal und ein Becher 6x gewonnen werden konnte. Ab 1980 wurden dann wieder Wanderpreise, immer Zinnkannen, abgegeben. Definitive Gewinner bis heute waren:

  • 1985 Raymond Thüring
  • 1991 Martin Wyss
  • 1997 Ronald Krayer

Immer in der Vereinsmeisterschaft waren in dieser Zeit das Obligatorische, das Feldschiessen und das Endschiessen.

Das Obligatorische Programm ist eine Dienstleistung, die der Schützenbund im Auftrag der Gemeinde anbietet. Denn die Gemeinden sind gemäss Bundesgesetz verpflichtet den dienstpflichtigen Einwohnern ihrer Gemeinde die Absolvierung ihrer militärischen Schiesspflicht zu ermöglichen. Die erste gesetzliche Grundlage stammt vom 12.4.1907. Seit diesem Datum gilt es die obligatorische Schiesspflicht zu erfüllen. Diese Ausbildung im Präzisionsschiessen führte der Schützenbund Witterswil immer mit Engagement durch. So war es stets der Stolz jeden Schützenmeisters keine "Verbliebenen" (Schützen die die geforderte Punktzahl nicht erreichten) melden zu müssen. Diese öffentliche Aufgabe wird von den Mitgliedern des Vereins aus Überzeugung und unentgeltlich ausgeführt.

Die Bundessubventionen und Jahresbeiträge der Schützen reichen kaum die ordentlichen Unkosten zu decken, schon gar nicht die Anlage zu unterhalten. Trotzdem war der Schützenbund immer stolz darauf, von der Gemeinde nur die absolut notwendigste, und nicht die vom Bundesgesetz her mögliche, finanzielle Unterstützung beantragen zu müssen. So gehört die gesamte Anlage inkl. Land dem Verein. Die elektronischen Scheiben, als ein wichtiges Mittel der Lärmeindämmung (Schiesszeitreduktion) und des Schiesskomforts, wurden vollumfänglich vom Verein eigenfinanziert. Immerhin kostete diese Investition einen Betrag von über Fr. 50'000.-

ln den Anfängen des Schützenbund Witterswil dominierte diese militärische Aufgabe, zu der auch das freiwillige Feldschiessen gezählt werden kann, das Jahresprogramm. Erst ab den 60er Jahren erhielt das 300m Schiessen als Sport Aufwind.

Zu den Verbandsanlässen bei denen sich der Verein regelmässig engagiert sind das Einzelwettschiessen/ Gruppenmeisterschaft, das Jungschützenwettschiessen, das Feldschiessen, das Verbandsschiessen und das Felsplattenschiessen zu zählen. Diese Anlässe wurden und werden regelmässig besucht und in bestimmten Abständen auch durch den Schützenbund Witterswil auf dem Vereinsstand organisiert. In den ersten 20 Jahren des Vereins spielte das Bezirkswettschiessen eine grosse Rolle im Jahresprogramm. Es war der Stolz eines jeden Schützen einmal am Bezirkswettschiessen Schützenkönig zu werden. Auch Witterswiler konnten sich in dieser Zeit als Schützenkönig feiern lassen. Das Bezirkswettschiessen, organisiert vom Bezirksverband Dorneck wurde auch 2x (1904 und 1911) auf dem Stand des Schützenbund Witterswil durchgeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Schützenbund direkt dem Bezirksverband angeschlossen. Nach der Aufteilung des Leimental in einen Unterverband des Bezirksschützenverbands (1910) verlor das Bezirkswettschiessen zusehend an Bedeutung.

Das Endschiessen ist bis heute ein interner Wettkampf der die offizielle Schiesssaison abschliesst. Nebst dem Obligatorischen Programm wurde es seit Beginn jedes Jahr durchgeführt. Bis in die 60er Jahre wurde es öfters als Sauschiessen ausgetragen, wobei eine gekaufte Sau geschlachtet und das Fleisch als Preise abgegeben wurde. Der Konkurrenzkampf unter den guten Schützen war am End­ schiessen meistens gross und so mancher hat an diesem Anlass sein ganzes Sackgeld verschossen.

Nebst dem Endschiessen führt der Verein heutzutage 2 weitere interne Schiessanlässe regelmässig durch. Das Ostereierschiessen findet am Ostersamstag statt und wurde von Erzer Emil sen. 1964 eingeführt. Es ist ein beliebter interner Anlass zur Auftakt der Schiesssaison, der wie das Bänzenschiessen, welches 1978 von Toni Wyss am "Samichlaus-Wochenende" eingeführt wurde, vorwiegend zur Förderung der Vereinsgeselligkeit dient.

In den letzten 25 Jahren wurde das Jahresprogramm zusehends mit weiteren internen Anlässen bereichert. So wurden verschiedentlich Trainings-Cups, Präsidenten-Cups, Trainingslager, Schiesskurse für Erwachsene und für Frauen, etc. organisiert und angeboten. Ausserdem wurden vermehrt an Wettkämpfen teilgenommen, die auf dem eigenen Stand geschossen werden konnten, wie Vancouver-Cup, Feldschlösschenstich, etc.

Zu den gesellschaftlichen Anlässen gehört der traditionelle Lottomatch, der 1970 von Emil und Elisabeth Erzer eingeführt wurde und jedes Jahr im Herbst organisiert wird. Der als Schützenlotto weitherum bekannte und beliebte Anlass hilft jedes Jahr mit die Vereinskasse aufzubessern.
Die Rangverkündigung des Endschiessens ist ebenfalls ein gesellschaftlicher Anlass, der ca. 2 Wochen nach dem Endschiessen durchgeführt wird.

Die Schützenstube im Schützenhaus kann als gesellschaftlich wichtigste Begegnungsstätte angesehen werden. Die Räumlichkeiten wurden 1969 durch Emil Erzer jun. in Eigenleistung erstellt. Sonja und Viktor Wiggli waren die ersten "Beizer" die ein- bis zweimal im Jahr während eines Schiessanlasses "geöffnet" hatten.

Schützenlieder hatten beim Schützenbund lange Zeit Tradition. So waren früher viele Mitglieder des Männerchors auch beim Schützenbund. Es wird berichtet, dass insbesondere in den 50er Jahren der Schützenbund Witterswil ganze Festzelte an Kantonalen Schützenfesten unterhalten hat.

Dank diesen kreativen Aktivitäten und dem grossen Engagement der Vorstandsmitglieder und vielfach auch ihrer Frauen gehört der Schützenbund Witterswil heutzutage zu einem der aktivsten und erfolgreichsten Vereine in Witterswil und dem solothurnischen Leimental.

Nachwuchsförderung im Schützenbund Witterswil

Die Nachwuchsförderung war in den ersten 60 Jahren ein Stiefkind des Vereins. Erst 1966 wurde der erste Jungschützenleiter an einer Generalversammlung in den Vorstand gewählt. Vor dieser Zeit existierte diese Stelle offiziell nicht. Die Mitglieder des Vereins bestanden damals hauptsächlich aus Armeeangehörigen. Wer nicht mit einem 300m Gewehr umgehen konnte, konnte nicht Vereinsmitglied werden. Erst ab ca. Anfang der 50er Jahre, als Emil Erzer jun. den 1. Jungschützenleiterkurs besuchte, erkannte man, dass die Ausbildung am Gewehr im verdienstlichen Alter einen Vorteil für den Rekruten in Rekrutenschule haben konnte, da er bereits die Handhabung des Gewehrs beherrschte. Für den Verein war dies gleichzeitig die Möglichkeit schon früh Vereinsmitglieder zu rekrutieren. Heutzutage bietet der Schützenbund Witterswil als einziger Verein im Dorf eine Freizeitbeschäftigung speziell für Jugendliche ab 16 Jahren an. Sie lernen schon früh was Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, und Eigendisziplin bedeutet, und was es heisst gemeinsame Ziele zu erreichen. Tugenden die in der heutigen Arbeitswelt von zentraler Bedeutung sind.

Es ist bekannt, dass auch früher sogenannte Schiesskurse von engagierten Vorstandsmitgliedern, meistens den Schützenmeistern, durchgeführt wurden.

1935 ist in einem Verbandsprotokoll zu lesen: "Der Schützenbund Witterswil bringt jüngeren Mitgliedern den sicheren Umgang mit dem Karabiner in Schiesskursen bei".

1956 ist erwähnt, dass ein Jungschützenkurs mit 7 Teilnehmern unter der Leitung von E. Erzer jun. grosse Erfolge im Leimental erzielte.

1958 wird die Aufnahme von Jungschützen in den Verein von Karl Schmidli anlässlich der Generalversammlung angeregt, mangels Interesse jedoch fallen gelassen.

1966 wurde Paul Jeger, 1. Schützenmeister und Jungschützenleiter in den Vorstand gewählt. Bis dahin wurden, u.a. mangels Beteiligung einzelne Jungschützen in Kurse anderer befreundete Vereine abgegeben.

1975 wurde die Jungschützenausbildung durch Emil Erzer jun. auf eine neue Basis gestellt. Ihm gelang es zum ersten Mal durch ein engagiertes Jahresprogramm die Jungen für den Schiesssport zu begeistern. So besuchte er nicht nur gemeinsam Schiessanlässe mit den Jungschützen, sondern begeisterte die Jungen und später auch Mädchen durch die Durchführung von Zeltlagern und Ausflügen. Aus dieser Nachwuchsförderung gingen erfolgreiche Sportschützen wie, Raymond Thüring, Peter Erzer, Jürg Wiggli, Martin Wyss, hervor. Diese, in der Sache überzeugten und engagierten Schützen, sind für den Verein teilweise bis heute wertvolle Stützen.